
Grundwissen 5. Klasse
1. Miteinander aus dem Glauben an Gott heraus leben
Jeder Mensch ist eine einmalige Person, die von Gott geliebt wird. Der Mensch erhält dadurch eine unverlierbare Würde. Beim Propheten Jesaja spricht Gott zum Menschen: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir. Du bist in meinen Augen teuer und wertvoll und ich liebe dich." (Jes 43,1.4)
In der Goldenen Regel gibt uns Jesus einen Maßstab, wie wir miteinander umgehen sollen:
"Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!" (Mt 7,12)
Beim Beten geht es immer um die Beziehung zu Gott und den Mitmenschen. Beten bedeutet nicht nur bestimmte Worte sprechen, sondern auch nachdenklich, still werden und zuhören. Die drei großen Gebetsarten sind: Lobgebet, Dankgebet und Bittgebet.
Das wichtigste Gebet der Christen ist das Vaterunser (Mt 6,9-15):
"Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen."
Ein bekanntes Gebet ist auch Psalm 23:
"Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher.
Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit."
2. Abraham "Stammvater des Glaubens
Abraham ist der erste Stammvater (Patriarch) des Volkes Israel. Sein Name bedeutet "Vater der Menge". Ursprünglich glaubten die Völker, dass es viele Götter und Göttinnen gibt (Polytheismus - griech. poly = viel; theos = Gott). Wir Christen glauben mit Abraham an einen Gott (Monotheismus - griech. monos = einer; theos = Gott). Gott verlangt keine Menschenopfer, sondern Glauben und Vertrauen. Abraham wird zum Stammvater der Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam.
3. Die Bibel der Umgang mit der Heiligen Schrift der Christen
Das Alte Testament (AT) umfasst insgesamt 46 Bücher und ist in folgende Buchgruppen gegliedert:
das Pentateuch (Die Fünf Bücher Mose, auch "Tora" genannt: Genesis (Gen), Exodus (Ex), Levitikus (Lev), Numeri (Num), Deuteronomium (Dtn)), die Bücher der Geschichte des Volkes Gottes, die Weisheitsbücher und Psalmen und die Prophetenbücher.
Das Neue Testament (NT) umfasst insgesamt 27 Bücher und ist in folgende Buchgruppen gegliedert:
die vier Evangelien (Evangelium bedeutet "Frohe Botschaft": Matthäus (Mt), Markus (Mk), Lukas (Lk), Johannes (Joh)), die Apostelgeschichte (Apg), 21 Briefe (v.a. Briefe des Apostels Paulus) und die Offenbarung.
Angabe von Bibelstellen: "Gen 3,2" bedeutet Buch Genesis, 3. Kapitel, 2. Vers.
4. Jesus und seine Lebenswelt
Als Jesus lebte, herrschten die Römer in Israel. Jesus ist Jude und setzt sich mit den verschiedenen Gruppierungen seiner Zeit auseinander: Sadduzäer (Tempelpriester), Pharisäer (fromme, streng gläubige Laien), Zeloten (wollen Römer gewaltsam vertreiben), Samariter (haben eigene religiöse Gesetze und gelten als nicht rechtgläubig) und Zöllner (arbeiten mit Römern zusammen und werden verachtet). Jesu Botschaft von der Liebe Gottes zeigt sich in seinen Reden, Gleichnissen und
Taten: er wendet sich allen Menschen zu, auch Sündern, Ungläubigen, Kindern und Frauen.
5. Kirchen - Ortszeichen christlichen Glaubens
Zur Ausstattung des katholischen Kirchenraumes gehören Altar, Ambo (Lesepult), Tabernakel
(dient zur Aufbewahrung der geweihten Hostien), Ewiges Licht, Taufbecken, Weihwasserbecken, Orgel und Beichtstuhl. Es gibt verschiedene Baustile (Romanik, Gotik, Barock, Moderne). In der Kirche können wir Innehalten Ruhe finden, Gott erfahren. Wir achten die Atmosphäre eines heiligen Raumes.
Wichtige christliche Feste:
Weihnachten 25.12. Geburt Christi vor über 2000 Jahren in Bethlehem - Fest der Menschwerdung Gottes
Ostern: 1. Sonntag nach dem Frühjahrsvollmond - Tod und Auferstehung Jesu um 30 n. Chr. in Jerusalem
Fest des Sieges über Schuld und Tod: Erlösung der Menschen
Pfingsten: 50 Tage nach Ostern Sendung des Heiligen Geistes in Jerusalem ? Geburtsfest der Kirche: Gemeinschaft der Menschen, die an Christus glauben
Alle Menschen sind Kinder Gottes und haben gleiche Grundrechte.
Überall auf der Erde haben Menschen, auch die Kinder, deshalb Anrecht auf gleiche Lebenschancen (z. B. auf Freiheit, Bildung, gerechte Entlohnung, ärztliche Versorgung).
Was kann ich tun? -jedem Menschen mit Achtung und Offenheit begegnen - mich mit den Problemen von Kindern in der Dritten Welt beschäftigen (z. B. Kinderarbeit, Straßenkinder, Kinderarbeit, Kindersoldaten) - Projekte und kirchliche Hilfswerke unterstützen (z. B. Caritas, Missio, Adveniat, Misereor), - bescheidener leben, weil unsere Lebensweise zu Lasten der armen Kinder geht.
Der Prophet Natan lehrt uns:
Auch die israelitischen Könige Saul, David und Salomo gingen nicht immer richtig mit ihrer Macht um. Auch Natan erzählt David das Gleichnis vom reichen und vom armen Mann (David und Batseba). Alle Menschen, auch die Mächtigen, müssen sich für ihr Tun und Lassen vor Gott verantworten. Was vor Gott zählt, ist nicht Macht, sondern Liebe: nicht auf Kosten von Schwächeren leben, sondern sie achten, schützen und für sie einstehen
Auferstehung Jesu als Hoffnung für unser Leben
Christen feiern Ostern mit Symbolen:
Osterkerze Sie ist Symbol für das Licht, das durch Jesus ins Dunkle gebracht wird.
Lamm: Es erinnert Juden und Christen daran, dass Gott die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat.
Im Christentum: Lamm als Sinnbild für Jesus, der unschuldig für uns gestorben ist.
Brauchtum: Ei - aus dem Ei entsteht neues Leben. Das Durchbrechen der Eierschale erinnert an die Auferstehung Jesu. Hase - Er ist Symbol für die Fruchtbarkeit und das Fortbestehen des Lebens.
Pfingsten als Geburtsfest der Kirche
Unser Pfingstfest geht auf den Tag des jüdischen Wochenfestes zurück, zu dem viele Pilger nach Jerusalem kamen. Die Apostelgeschichte (Apg 2,1-13) schildert, dass sich der Geist Gottes wie in Sturm und Feuerzungen zeigte: Sturm - Hinweis auf die Veränderung, die mit den Jüngern geschah - Die Feuerzungen - Bild für die Liebe Gottes, welche den Menschen erfüllen und ihn zu Großem befähigen kann.
In der Firmung öffne ich mein Herz für Gottes Geist und bekenne ihn im Credo.
Ich stelle mir eine Pfarrgemeinde vor,
Verkündigung: ... in der das Wort Gottes so verkündigt wird, dass jeder Mensch verstehen und spüren kann, dass das Evangelium eine Frohbotschaft ist.
Feier: ... die den Glauben feiert, in der gesungen, getanzt und gebetet wird,denn in der Feier können wir spüren, dass Gott da ist.
Dienst: ... in der einer dem anderen dient, in der es Raum gibt für Behinderte und Kranke, Alte und Schwache, Kinder und Jugendliche
Gemeinschaft: ... welche verschiedene Menschen im Glauben eint, sodass Unterschiede nicht als bedrohlich, sondern als bereichernd empfunden werden.
1. Fragen, die mir weiterhelfen:
Wer bin ich? (meine Stärken und Schwächen)
Wer und was bestimmt mich? (Ich mich selbst? Die Clique? Die Medien?
Was will ich? (Begabungen entwickeln, Grenzen erkennen, Manipulationen durchschauen, Verantwortung übernehmen, ein reifer, mündiger, glücklicher Mensch werden)
Der Glaube kann mich voranbringen, denn Gott sagt Ja zu mir, er stärkt und fordert mich ?
2. Der Evangelist Markus erzählt über Jesu Weg von Galiläa nach Jerusalem:
Markus... erzählt, was Jesus auf seinem Weg verkündet und getan hat
zeigt, wie die Menschen darauf reagiert haben
ordnet die Überlieferungen nach Orten und Zeiten
verfasst ein Glaubenszeugnis, keine Biografie (70 n.Chr)

Die Entstehung der Evangelien
Jesus verkündet das Reich Gottes und macht in
seinen Taten erfahrbar. Er wird in Jerusalem gekreu--
zigt.
Die Apostel predigen nach Pfingsten von Jesu
Worten und Taten, von Leiden, Tod und Auferste-
hung Jesu. Es entstehen mündliche Überlieferungen
und auch erste schriftliche Aufzeichnungen.
Markus sammelt mündliche und schriftliche Über-
lieferungen, er ordnet und kommentiert sie.
Er schreibt um 70 n. Chr. als Erster ein Evangelium.
Daneben gibt es die Spruchquelle (Q) und
das Sondergut (S) einzelner Gemeinden.
Matthäus und Lukas verwenden sowohl Mk als auch
Q (Zwei-Quellen-Theorie).
Außerdem fügen sie eigenes Sondergut (S) ein.
4. Jesus verwendet Sprachbilder und Gleichnisse:
Fünf Fragen an ein Gleichnis: Beispiel: Gleichnis vom Senfkorn
1. In welcher Situation spricht Jesus? (er erzählt vom Reich Gottes)
2. Welche Bilder verwendet Jesus, was sagen sie aus? (Senfkorn,
Baum, Wachstum, Vögel ...)
3. Worin besteht die Hauptaussage im Gleichnis? (Kleiner Anfang, aber großes Ergebnis ?)
4. Was bedeutet dies im Blick auf das Reich Gottes? (Die Botschaft Jesu wird sich verbreiten.)
5. Welche Botschaft hat Jesus für uns? (Wir sollen mitarbeiten beim Wachsen des Reiches Gottes.)
5. Zeichen und Symbole
Sakramente begleiten uns in wichtigen Lebensabschnitten und setzen sie in Beziehung zu Gott: Sakramente helfen, dass mein Leben ganz wird. Sie versichern mir, dass Gott mit mir ist. Sie lassen mich sehen, spüren, hören, dass Gott anwesend ist und sich mir zuwendet.
Die 7 Sakramente: Taufe, Buße, Eucharistie, Firmung, Ehe, Priesterweihe, Krankensalbung
6. Die Kirche breitet sich in verschiedenen Kulturen aus - Christianisierung der Germanen:
Wulfila übersetzt die Bibel ins Gotische und missioniert die Ostgoten.
Chlodwig lässt sich taufen und sein Germanenstamm (Franken) wird katholisch.
Papst Gregor I. schickt Mönche als Missionare nach Britannien und macht die Angelsachsen zu Christen. Diese kehren als Missionare wieder auf den Kontinent zurück.
Bonifatius, ein angelsächsischer Mönch, bringt den Glauben nach Deutschland, gründet Bistümer und Klöster (?Apostel der Deutschen?).
7. Klösterliche Lebensformen und deren kulturelle Bedeutung
Benedikt von Nursia gründet um 529 auf dem Monte Cassino ein Kloster, das zum Vorbild für weitere Klostergrün-ungen wird. Er stellt die Benediktinerregel auf: Ora et labora (bete und arbeite) ist der Leitspruch für alle Klöster, die sich an Benedikt orientieren und rasch im ganzen Abendland ausbreiten. Benedikt hat mit seinen Ordensbrüdern und -schwestern die Kultur des Abendlandes so sehr geprägt, dass er als Schutzpatron Europas verehrt wird (Gedenktag: 11. Juli).
8. Der Islam
Allah ist der einzige Gott, er fordert Ergebung (Islam = Hingabe) unter seinen Willen;
Mohammed ist sein Prophet; mit dessen Auswanderung aus Mekka (622 n. Chr.) beginnt die islamische Zeitrechnung.
Der Koran (114 Suren) gilt als wörtliche Offenbarung Allahs. Der Koran ist Quelle aller Gesetze und Anleitung für politisches und soziales Handeln (keine Bildnisse von Allah, kein Schweinefleisch, kein Alkohol; z. T. aktive Verteidigung des Islam und untergeordnete Stellung der Frau).
Die Schiiten verehren im Gegensatz zu den Sunniten auch Ali, den Schwiegersohn Mohammeds.
Christen und Muslime berufen sich auf den gemeinsamen Stammvater Abraham. Jesus gilt im Islam (nur) als Vorläuferprophet von Mohammed.
Grundwissen Katholische Religion - Jahrgangsstufe 8
1. Gottes Schöpfung ? Gabe und Aufgabe für den Menschen
Auf den ersten Seiten der Bibel stehen zwei verschiedene Schöpfungserzählungen: Ein Lied über die Erschaffung der Welt in 7 Tagen (Gen 1) und die Geschichte von Adam und Eva im Paradies (Gen 2).
Beide Texte wollen keine Auskunft über die Entstehung des Universums im modernen naturwissen-schaftlichen Sinn geben. Die Sprache der Bibel ist eine Bildersprache, die Folgendes aussagt:
? Gott ist der Ursprung von allem und jedem und seine Schöpfung ist gut.
? Der Menschen hat Verantwortung für die übrige Schöpfung.
? Jeder Mensch (Mann und Frau) ist als Abbild Gottes gleich wertvoll und mit Würde ausgestattet.
Dieses Glaubenszeugnis steht nicht im Widerspruch zu den wissenschaftlichen Fakten. Naturwissenschaft und Religion haben unterschiedliche Zugänge zur Wirklichkeit.
2. Die Welt ist unvollendet: Konflikte, Schuld und Versöhnung
Versöhnung als christliche Aufgabe: Vorbild Jesu: Jesus verurteilt niemanden, er vergibt Sünden, geht auf Ausgestoßene zu und nimmt Schuldige an (Parabel vom barmherzigen Vater (Lk 15,11-32)), er ermöglicht einen Neuanfang.
Formen verantwortlicher Schuldbewältigung: eigene Fehler und Schwächen annehmen, den Frieden mit anderen wiederherstellen (sich ent-schuldigen; Wiedergutmachung versuchen), den Frieden mit Gott erneuern (Vergebung im Bußsakrament suchen; seine Liebe annehmen = Umkehr).
3: Heilssehnsucht: Ringen um das ewige Leben im Reformationszeitalter
Ausgangspunkt der Reformation ist die verzerrende Ablasspraxis im Namen der Kirche und Luthers Protest gegen diese durch den Thesenanschlag am 31.10.1517 (Reformationstag).
Reformatorisches Grundanliegen: Der Mensch ist gerecht gemacht aus Glauben (vgl. Röm 5,1), der Glaube an Christus allein rettet: Sola fide ? sola gratia ? solus christus ? sola scriptura.
Katholischer Einwand: Der Glaube allein rettet nicht, er muss sich im Tun zeigen und vollenden.
Bestehende Unterschiede:
| Katholisch | Evangelisch |
|---|---|
| -Grundlage: Bibel und kirchliche Tradition | -Grundlage: Bibel |
| -Papst als Oberhaupt, Weihe und Zölibat | -selbstständige Landeskirchen, kein Zölibat |
| -sieben Sakramente | -nur Taufe und Abendmahl |
| -bleibende Gegenwart Christi nach d. Wandlung | -Gegenwart Christi im Vollzug des Abendmahles |
4. Zwischen Nähe und Distanz: Jugendliche begegnen der Kirche
Die Leitvorstellungen des kirchlichen Selbstverständnisses gehen auf Jesus zurück: Die Kirche ist eine dienende Kirche, feiernde Kirche, eine verkündigende Kirche und eine einzige Kirche.
Die Aufgabenfelder der Kirche sind der Dienst am Menschen (Diakonia), die Sorge um die Gemeinschaft der Gläubigen (Koinonia), das Zeugnis des Wortes (Martyria) und die Feier (Liturgia).
5. Religiösität und Lebensdeutung im Angebot - der Psychomarkt
Jesus warnt vor falschen Propheten und gibt ein Kriterium: ?An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.?
Eine Lebensdeutung ist dann fruchtbringend und tragfähig, wenn sie die Würde des Menschen achtet, seine Freiheit betont und im Letzten auf einen Gott hofft, der die Liebe ist.
Wichtige Fragen sind: Gibt es einen göttlichen Absolutheitsanspruch der Leiter, der Lehre? Wird die Individualität eingeschränkt (z. B. Erziehung zum einheitlichen Massenmensch / keine persönliche Entfaltung möglich)? Werden die Mitglieder von Familie, Freunden isoliert? Wird die Menschenwürde verletzt (Ausnutzung der Mitglieder zur Bereicherung der Führung oder der Sekte / unwürdige Lebensweise)? Ist eine kritische Auseinandersetzung unerwünscht? Wird der Austritt erschwert, unmöglich gemacht?
1. Freiheitsimpulse der Exoduserfahrung und Weisungen des Dekalogs:
JHWH wird von Israeliten, die unter der Führung des Mose aus Ägypten fliehen, erfahren als Gott der Freiheit:
Er rettet nach der Überlieferung das unterdrückte Volk am Schilfmeer.
Er führt nach Deutung der Israeliten aus der Unfreiheit in ein verheißenes Land.
Rettung und Heilszusage münden in den Bundesschluss am Sinai: In der Bindung an JHWH erhält das befreite Volk eine neue Lebensweisung, den Dekalog (griech. ?Zehnwort?).
2. Die Bedeutung prophetischer Kritik für die christliche Lebensgestaltung
Die biblischen Propheten
kämpfen gegen falsche Götter: Elija - sind Kritiker der Mächtigen: Natan - treten für die Armen ein: Amos - stehen unter der Last von Gottes Ruf: Jeremia - benennen Missstände: Micha
Die Prophetie ist mit dem Alten Testament nicht zu Ende: Auch im Zeichen des neuen Bundes und in der weiteren Geschichte treten Menschen auf, die von Mut und Geist erfüllt sind und sich für den Menschen und seine Würde einsetzen. (z.B. Martin Luther King)
3. Hauptzüge des jüdischen Glaubens und als Wurzel des Christentums verstehen
3.1 Das auserwählte Volk hält Gott JHWH die Treue, bis hinein in einzelne Alltagsvorschriften.
? Bei den regelmäßigen Gebeten tragen Juden rituelle Gebetskleidung. Beim Essen halten sie sich an Speiseregeln und Reinheitsvorschriften.
? Am Sabbat herrscht Arbeitsverbot, JHWH wird u.. a. geehrt durch Gebetsgottesdienste in der Synagoge und rituelle Mahlzeiten zu Hause.
? Das bekannteste jüdische Fest ist Pessach (Erinnerung an den Exodus). Fast zeitgleich feiern Christen an Ostern die Auferstehung Jesu.
? Der Glaube begleitet das Leben von Geburt und Beschneidung bis zu Tod und Begräbnis.
? Voll Hoffnung erwarten die Juden das Kommen des Messias. Dieser Erlöser ist für Christen bereits in Jesus Mensch geworden ist.
? ?Der Glaube Jesu eint uns, der Glaube an Jesus trennt uns.? (Shalom Ben Chorin)
3.2 Grundzüge der belasteten Geschichte zwischen beiden Religionen und Beispiele des Miteinanders
?Durch alle Jahrhunderte hin mussten Juden leiden, aber durch alle Jahrhunderte hin sind sie auch stark gewesen.? (Anne Frank)
?So anerkennt die Kirche Christi, dass nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden.? (Nostra aetate, 1965)
?Wir sind zutiefst betrübt über das Verhalten aller, die im Laufe der Geschichte deine Söhne und Töchter leiden ließen. Wir bitten um Verzeihung und wollen uns dafür einsetzen, dass echte Brüderlichkeit herrsche mit dem Volk des Bundes.? (Gebet von Papst Johannes Paul II. an der Klagemauer in Jerusalem, März 2000)
4. Auswirkungen des II. Vatikanischen Konzils auf das Glaubensleben
Die Reaktion: nicht Abschottung, sondern ?Aggiornamento? (Öffnung der Kirche für das Hier und Heute)
Die wichtigsten Auswirkungen des Konzils*, z. B.
verändertes Kirchenbild: Kirche als Gemeinschaft der Getauften in Christus, als Volk Gottes, als Zeichen des Reiches Gottes in der Welt
erhöhte Wertschätzung für die Ortskirchen
neue Wege in der Liturgie, v. a. Erlaubnis der Volkssprache, Beteiligung aller Gläubigen
Wiederentdeckung der Berufung aller Getauften zur Mitwirkung in Gesellschaft und Kirche
ökumenische Öffnung und Anknüpfungspunkte für den interreligiösen Dialog
(* Worterklärung: lat. ?concilium? = ?Versammlung?, hier der Bischöfe unter der Leitung des Papstes)
5. Weltauftrag der Kirche - Kirche und die Zeichen der Zeit
Unterdrückung und Verfolgung der Kirche in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts, z. B. ? Nationalsozialismus -Kommunismus (v. a. Osteuropa, China) - Totalitarismus einzelner Regierungen (v. a. in Lateinamerika, Afrika)
Reaktionen auf diese Herausforderungen:
Schutz der Gläubigen durch Vereinbarungen (z. B. Konkordat, 1933)
Verkündigung und Seelsorge trotz Verfolgung (z. B. Oscar Romero in El Salvador ? ermordet 1980)
Enttarnen unmenschlicher Praktiken, Einsatz für Frieden, Freiheit und Nächstenliebe (z. B. Maximilian Kolbe ? gest. in Auschwitz) - aktiver Widerstand (z. B. Geschwister Scholl)
6. Werthaltungen zum Gelingen von Freundschaft, Liebe und Sexualleben
Zu einer sich in Stufen entfaltenden, ganzheitlichen Liebe gehören in sich ergänzender Weise Sexus (körperliche Liebe), Eros (seelische Liebe) und Agape (geistige Liebe). Werte in einer Partnerschaft sind Zärtlichkeit und Achtung, Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein, Ehrlichkeit und Treue. Zeugung und Werden des Kindes sollten eingebunden sein in die Liebe der Partner, in Ehe und Familie (Grundrecht des Kindes auf Familie).