Individualaustausch

Erfahrungsbericht Hannah Karl - Auslandsaufenthalt (Kanada) im Schuljahr 2021/22

Als ich den Flughafen in Kanada verlassen habe, war ich sehr gespannt, was mich in den nächsten 5 Monaten dort erwartet. Im Nachhinein kann ich nicht nur verbesserte Englischkenntnisse vorweisen, sondern habe auch tolle Freundschaften geknüpft und Erfahrungen gemacht, die meine Persönlichkeit entwickelt haben und an die ich mich ein Leben lang gerne erinnern werde. Natürlich habe ich auch Tim Hortons (beliebteste Donut- und Kaffeekette an jeder Ecke), Ketchup Chips, Snowdays und Eishockey – die Grundsäulen kanadischer Kultur – kennen und lieben gelernt. Ich hatte eine tolle Zeit beim Spielen im Badminton und Football Team. Es war super aufregend und interessant neue Sportarten zu erlernen und ich habe tolle Erinnerungen an all die Trainings und Turniere mit meinen Teamkollegen  – wobei Sport in Kanada sicherlich eine wichtigere, wettbewerbsorientiertere Rolle spielt als in Deutschland. Neben der eher weniger anspruchsvollen Highschool und meinen Sportarten, hatte ich viel Zeit mich mit meinen Freunden zu treffen oder zusammen unser Highschool Hockey Team anzufeuern. Anders als einige andere Austauschschüler kann ich mich nicht über meine Organisation oder meine Gastfamilie beschweren – ganz im Gegenteil. Die Austauschorganisation AEI, die die meisten deutschen Organisationen vor Ort bündelt, richtete viele schöne Aktionen wie z.B. Pizzapartys, Whale Watching oder Bowling mit allen anderen Austauschschülern aus. Meine kanadische Gastfamilie und meine Gastschwester aus Südkorea waren freundlich und haben mich immer so gut es ging unterstützt. Highlight meines Auslandsaufenthalts war die Prom bzw. der Abschlussball, an dem wir Austauschschüler auch teilnehmen durften. Auch nachdem ich wieder in Deutschland bin, habe ich noch Kontakt zu meiner Freundesgruppe aus Kanadiern und anderen Austauschschülern – meine Freundin aus Mexico werde ich diese Sommerferien sogar besuchen.
Ich bin sehr froh und dankbar einen Auslandsaufenthalt gemacht zu haben und kann es jedem nur weiterempfehlen.

Erfahrungsbericht Maximilian Saffouri - Auslandsaufenthalt (USA) im Schuljahr 2021/22

Mein Schüleraustausch in den USA

In der 10. Klasse nahm ich für ein halbes Jahr an einem Schüleraustausch in den USA teil. In diesem Text möchte ich kurz von meinen Erlebnissen berichten und mögliche Fragen zu Schüleraustauschen beantworten.

Vorbereitungen für den Schüleraustausch

Für mich war schon lange klar, dass ich grundsätzlich an einem Schüleraustausch teilnehmen möchte. In der 8. Klasse bewarb ich mich beim Bayerischen Jugendring (BJR) für einen 2,5-monatigen Auslandsaufenthalt in Australien. Meine Bewerbung wurde zwar angenommen, doch die Pandemie und Australiens strenge Coronaauflagen machten mir einen Strich durch die Rechnung. Also musste eine Alternative her: Ich fand die private Schüleraustauschagentur CAMPS International mit Sitz in Hamburg, die unterschiedlich lange Auslandsaufenthalte in verschiedenen Ländern anbietet, neben den USA zum Beispiel auch Frankreich, England, Argentinien oder Norwegen.

Im Sommer 2021 entschied ich mich dann für einen Semesteraustausch an einer High School in den Vereinigten Staaten. Nach einem ersten Bewerbungs- und Vorstellungsgespräch mit CAMPS ging die wirkliche Arbeit los: Eine mehr als 20-seitige Bewerbung für die amerikanische Agentur ACES (American Cultural Exchange Service) musste bearbeitet werden, die neben vielen persönlichen Fragen auch medizinische Untersuchungen wie einen Tuberkulose-Test, die ärztliche Überprüfung aller meiner Impfungen und Empfehlungsschreiben von Schule und Lehrern forderte. Im Spätsommer erhielt ich von CAMPS die Nachricht, dass meine Bewerbung von ACES angenommen und meine Abreise für den Jahreswechsel geplant worden war. Bis dahin müsste ich mich „nur“ noch um mein Visum kümmern, was ebenfalls ein langwieriger Prozess mit großen Fragenkatalogen war, in denen ich zum Beispiel beantworten musste, ob ich schon mal Drogen gedealt oder Kindersoldaten rekrutiert hätte. Als ich das Visum nach Wochen des Wartens bekommen hatte, ging aber alles ganz schnell. Mir wurde eine Gastfamilie zugeteilt, eine Schule zugewiesen und mein Flug wurde gebucht. In den Weihnachtsferien flog ich von Frankfurt nach Sacramento, California, von wo ich von meiner Gastfamilie abgeholt wurde.

Schulalltag an der High School

Wenige Tage nach meiner Ankunft hatte ich meinen ersten Schultag an der Woodcreek High School in Roseville. Ich merkte sehr schnell, dass der Schulalltag in den USA sich stark von dem in Deutschland unterscheidet. Der größte Unterschied ist wohl, dass jeder Schultag genau gleich aufgebaut ist: Man hat jeden Tag dieselben 4 Doppelstunden Unterricht, dazwischen eine Mittagspause und eine Stunde zum eigenständigen Arbeiten. Meine Fächer waren PE (Sport), Englisch (vergleichbar mit Deutsch), World Studies (Geschichte) und Ceramics (Töpfern) – entsprechend anstrengend war auch das Schulleben. Ich hatte quasi nie Hausaufgaben und schloss jedes Fach mit 100% (1+) ab – ohne ein einziges Mal für einen Test gelernt zu haben. Das lag aber nicht (nur) am amerikanischen Schulsystem, sondern auch daran, dass ein Schüleraustausch ein kulturelles, kein akademisches Programm ist.

Einen wichtigen Teil des amerikanischen Schulalltags bilden die sogenannten extracurricular activities. Dazu gehören Sportarten, Theatergruppen, Bücherclubs, E-Sport-Teams und vieles mehr. Ich war im Mountainbike-Team der Schule. Wir trainierten drei Mal die Woche und verbrachten teils ganze Wochenenden bei Rennen. Solche Teams sind der beste und einfachste Weg, um Anschluss zu finden, was im Unterricht sehr schwierig sein kann, weil jeder Kurs aus anderen Schülern zusammengesetzt ist. Man darf aber nicht erwarten, dass Freunde „schon irgendwann von selbst auf einen zukommen“. Es ist wichtig, selbst Initiative zu ergreifen und Leute anzusprechen, an Aktionen wie Schultänzen teilzunehmen und offen auf alles und jeden zuzugehen, auch wenn das anfangs sicher nicht einfach ist.

Gastfamilie

Neben der Schule spielt besonders die Gastfamilie eine entscheidende Rolle. Letztendlich entscheidet sie, ob der Schüleraustausch ein Erfolg wird oder nicht. Es ist wichtig, dass man sich in seinem „neuen Zuhause“ wohlfühlen kann und mit der Familie gut klarkommt. Das bedeutet, dass man nicht nur mit der Gastfamilie wohnt, sondern wirklich mit ihr lebt, also mit ihr zusammen kocht und isst, Brettspiele spielt, Ausflüge macht und sich mit ihr unterhalten kann.

Mit der Gastfamilie, die mir zugeteilt wurde, war das aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Nach sechs Wochen habe ich mich dazu entschieden, die Familie zu wechseln. Dazu habe ich bei ACES angerufen, meine Situation geschildert und konnte das Haus noch am selben Tag verlassen und zu einer Familie, die ich im Mountainbike-Team kennengelernt habe, ziehen. Das war die beste Entscheidung, die ich machen konnte. Ich fühlte mich schon nach kurzer Zeit wie ein wirklicher Teil meiner neuen Gastfamilie und genoss das Leben mit ihr.

Auch wenn es sicher eine unangenehme und schwierige Entscheidung ist, die Gastfamilie zu wechseln, kann ich durch diese Erfahrung nur empfehlen, nicht davor zurückzuschrecken.

Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen, dass ein Schüleraustausch ein Erlebnis ist, das ich jedem ans Herz legen kann. Die Möglichkeit, mehrere Monate die Kultur eines fremden Landes durch das Leben mit einer Familie aus nächster Nähe kennenzulernen, bekommt ihr nur durch einen Schüleraustausch.

Ihr werdet nach eurer Rückkehr viele eindrucksvolle Erfahrungen gesammelt haben – aber wahrscheinlich nicht die, die ihr vor eurer Anreise erwartet habt.

Maximilian Saffouri

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